Was ist eigentlich „Sünde"?
1 Wenn die Bibel von Sünde spricht, spricht sie von
einem Sündenspektrum, einem Netz mit vielen Maschen
Deshalb gibt es weder im AT
noch im NT eine Konzentration auf einen einzigen Begriff
1.1 Die Botschaft des AT: (Im AT gibt es ca. 12 Begriffe!!)
Zentrale Stellen für Chata:
Ex 20, 20; Ri 20,16;Spr 8, 36; 19.2
Dieses Wort steht vorrangig
für Sünde ( über 500 x) Meist mit Verfehlung (aus Ziel-Verfehlung)
widergegeben. Aber Zielverfehlung bedeutet auch, ein anderes Ziel zu treffen.
Wer das richtige Ziel verfehlt und damit Sünde begeht, trifft zugleich das
falsche Ziel. Chata beschreibt also ein aktives
Verhalten: Das falsche Ziel treffen.
Zentrale Stellen für Päscha
(Vergehen): 1.Kö 12, 19; 2. Kö 3,5;
Der Grundgedanke dieses
Wortes ist Treuebruch.
Zentrale Stellen für awon: Es
bedeutet Unrecht also auch Schuld. 4.Mo 15, 30 - 31; Jes 53, 6
Zusammenfassung AT:
Sünde ist alles, was gegen
Gott und Sein Gebot gerichtet ist und ist letztlich Ungehorsam gegenüber Gott.
Ungehorsam kann passiv oder aktiv sein. Sünde ist nicht nur Zielverfehlung,
sondern trifft auch das falsche Ziel.
1.2 Die Botschaft des NT:
Harmatia (
227x) das umfassendste Wort für Sünde,
ähnlich chata. Auf dieses Wort beziehen sich viele Erlösungszusagen: Joh 1, 29;
Mt 1, 21). Weitere Stellen: Ac 2, 38; Rö 3, 23; 5, 12; 1.Pt 2, 22; 1. Joh 1, 7
Ponäeros:
(das sittlich böse) Mt 7,11;; 12, 29; Rö 12, 9; 1.Th 5, 22)
Adikia (Ungerechtigkeit
im weitesten Sinn) Rö 1, 18; Rö 6, 13; 1.Jo 1,9
Zusammenfassung:
Schlechtigkeit, Gesetzlosigkeit, gegen das Wesen Gottes. Sünde ist all das dem
Geschöpf Anhaftende, das nicht dem
ewigen Charakter Gottes entspricht oder Ihm widerstrebt.
2 Sünde ist
neben einer Haltung auch sehr konkret
Heuchelei Lk 12, 1
Habsucht Lk 12, 15
Stolz Mt 20, 20 - 28
Ehebruch Mt 5, 27 - 32
Anlass zur Sünde geben Mt 18, 6
Zorn Mt 5, 22
Zungensünden Mt 5, 33; 12, 36
Gotteslästerung
u.a.m.
3 Formen der
Sünden
·
Verstöße gegen
das mosaische Gesetz
·
Falsche innere
Einstellungen (vgl. Lk 12, 13 - 15)
·
Sauerteig sein
(Pharisäer - Heuchelei; Sadduzäer - Verbreitung falscher Lehre; Herodianer -
weltliche Gesinnung vgl. Mk 8, 15)
4 Aspekte der
Sünde
4.1 Sünde von Natur aus (sog. Erbsünde) Eph 2, 1 - 3
Sie wird von Generation zu
Generation zum jeweiligen Menschen weiter gegeben und hat zur Folge den
geistlichen Tod. Wenn dieser Zustand das gesamte Leben hindurch anhält, folgt
ihm der ewige oder der zweite Tod. (Off 20, 1-15) Wir sind in keiner Weise
„frei", auch nicht im Willen! Diese Sünde von Natur aus zeigt sich darin, dass
...
.. der Sinn „verblendet" ist
(2.Kor 4, 4), der Verstand „verfinstert" und wir sind fremd dem Leben Gottes
sind. Eph 4, 18.
... die Gefühle sind entartet
und befleckt, Röm 1, 21.24.26;
...der Wille ist der Sünde
versklavt und stellt sich gegen Gott (Rö 6, 20; 7, 20)
Folge: Eine totale
Verderbtheit der Menschen Sie sind in einem „verworfenen" Sinn (Rö 1, 8)
(adokimos = nicht bestanden)
Die Hilfe besteht in der
Erlösung und Gabe des Heiligen Geistes.
4.2
Zugerechnete Sünde (Rö 5, 12 - 13; vgl. 2. Kor 5, 19)
Sie kommt von Adam direkt auf mich und bringt u.a.
den leiblichen Tod. (Röm 5, 15)
Hier geht es um Sünde, die
auch den „unschuldigen" Säugling betrifft, denn auch er muss sterben.
Die Hilfe besteht in der „zugerechneten Gerechtigkeit".
4.3
Persönliche Sünden ( Rö 3, 23; 1. Joh 1, 9)
Jeder Mensch sündigt! Aber
nicht alle Sünden kommen sofort ans Licht, also diese Sünden sind nicht sofort
offenkundig.
Dazu gehören auch
Unterlassungssünden. Dass diese Sünden nicht sofort offenkundig sind, macht
ihre Gefahr aus. Weil sie nicht sofort entdeckt werden, breiten sie sich im Laufe
der Zeit immer weiter im Leben aus und
prägen das Verhalten und die Einstellung.
Diese Sünde wird nicht weiter
gegeben. Aber oft genug wird durch diese Sünde Gemeinschaft verloren
(Gemeinschaft mit Gott, anderen Menschen, mit Gemeinde usw.)
Abhilfe: Vergebung nach
Bekenntnis.