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Zwangsheirat ist Vergewaltigung auf Lebensdauer

"Zwangsheirat ist Vergewaltigung auf Lebensdauer"

Die ehemalige Muslimin Sabatina James sollte als junges Mädchen in Pakistan zwangsverheiratet werden. Doch sie konnte fliehen - und hilft seit einigen Jahren Frauen, die ein ähnliches Schicksal haben. Im pro-Interview schildert sie die Lage von Musliminnen.

Sie haben 2004 Ihr Buch "Sterben sollst du für dein Glück" veröffentlicht, in dem Sie über Ihre Zwangsheirat in Pakistan, Ihre Flucht und den Beginn eines neuen Lebens im Westen geschrieben haben. Was hat sich seitdem in Ihrem Leben verändert?


Ich habe aufgrund des Buches viele Anfragen von muslimischen Frauen erhalten, die ein ähnliches Schicksal erlebt und um Hilfe gebeten haben. An einen Brief erinnere ich mich noch gut: Eine Muslimin schrieb mir, dass ihre Freundin gerade in Tunesien ist und mit ihrem Cousin verheiratet werden soll. Ich wusste damals noch nicht, wie ich solchen Mädchen helfen könnte. Nachdem ich mit Politikern über die Situation gesprochen hatte, wurde mir schnell klar: Ich muss selbst tätig werden. 2006 habe ich dann in Hamburg "Sabatina e.V." gegründet, den Verein, der sich seitdem um Mädchen kümmert, die zwangsverheiratet werden sollen oder wurden.

Ihr Einsatz hat biographische Gründe: Sie sollten von Ihren Eltern in Pakistan mit ihrem Cousin zur Heirat gezwungen werden. Wie traumatisch ist solch eine Erfahrung für junge Musliminnen?

Für mich war es nach meiner Befreiung aus den Zwängen meiner Familie und der Partnerschaft mit meinem Cousin anfangs extrem schwer, auch nur berührt zu werden. Die Angst vor Missbrauch saß lange Zeit sehr tief. Unter Männern in Pakistan, meiner Heimat, ist Perversion weit verbreitet, es gibt keinerlei Aufklärung zur Sexualität. Frauen haben keine Rechte, das nutzen die Männer aus. Frauen, die komplett verschleiert sind und nur von ihrem Mann enthüllt werden, empfinden schon diesen Akt als eine Vergewaltigung. Zwangsheirat ist Vergewaltigung auf Lebensdauer.

Wie weit ist Zwangsheirat grundsätzlich in muslimisch geprägten Ländern verbreitet?

"Unicef" geht weltweit von etwa 60 Millionen Kindern aus, die zwangsverheiratet werden. Pakistan etwa ist das Land mit den meisten so genannten "Ehrenmorden", eine Tat, die unmittelbar mit der Zwangsheirat zusammenhängt. Fügt sich eine Muslimin nämlich nicht dem Willen ihrer Eltern oder Verwandtschaft und geht die Ehe mit einem von ihr nicht selbst ausgewählten Mann ein, schwebt sie in der dauernden Gefahr, für die "Schande", die sie über die Familie gebracht haben soll, ermordet zu werden.  

"Ehrenmorde" kommen auch in Deutschland vor.

Ja, das ist fatal. Ich bin davon überzeugt, dass Integration in westlichen Ländern bei den muslimischen Frauen beginnen muss. Das heißt, sie müssen in ihrer oft fatalen Lebenslage unterstützt werden. Auch in Deutschland wollen Frauen von zuhause fliehen, weil sie zwangsverheiratet werden sollen. Diesen meist jungen Musliminnen muss geholfen werden, weil sie sich integrieren wollen! Integration bedeutet daher nicht, mehr Moscheen zu bauen oder mehr muslimische Kindergärten für mehr Integration zu fördern. Das ist der falsche Ansatz. So wird eine Abkapselung gefördert.

Die Regierungen in Belgien und Frankreich planen derzeit ein Gesetz, dass ein Verbot der Burka für muslimische Frauen vorsieht. Auch hier wird argumentiert, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit eines westlich geprägten Landes nicht Abkapseln sollen. Wie stehen Sie zu den Gesetzesinitiativen?

In Pakistan habe ich eine Nikab getragen, eine Verschleierung, die nur die Augen freilässt. Muslimische Frauen, die sich verschleiern, fühlen sich, als ob sie nicht existieren. Sie haben keine Persönlichkeit, dürfen nicht gesehen werden, sie sind unsichtbar, sie sind nichts. Verhüllte Frauen nehmen am öffentlichen Leben nicht teil, werden nie angesprochen. Nur im eigenen Haus können sie kommunizieren, meist mit dem eigenen Mann und ihrer Familie. Hinzu kommen die Gründe für eine Verhüllung: Eine Frau muss nach islamischem Recht eine Burka tragen, damit der Mann durch ihre Schönheit nicht in Versuchung gerät. Das bedeutet: Frauen werden in der muslimischen Welt einzig als sexuelle Objekte behandelt, ihnen wird die Persönlichkeit und ihr Verstand abgesprochen. Und nicht wenige Musliminnen verhüllen sich, um zu zeigen, dass sie sich ihrem Mann unterwerfen. Ich meine daher, dass ein Burka-Verbot ein richtiger Schritt ist.

Ist die Unterdrückung der Frau symptomatisch für den Islam?

Der Koran legitimiert das Schlagen von Frauen. "Wenn ihr fürchtet, dass sich eure Frauen auflehnen, dann ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie", heißt es in der 4. Sure, Vers 34. Diese Anweisung wird an keiner Stelle des Korans relativiert. Auch die Lebensweise des Propheten Mohammed wird angepriesen, der mit 50 Jahren ein neunjähriges Mädchen geheiratet hat. Das ist das Vorbild für Millionen Muslime weltweit. Natürlich gibt es auch liberale Muslime, die eine Reform der strengen islamistisch geprägten Auslegung des Korans anstreben. Doch sie sind in der Minderheit, werden kaum gehört und in der muslimischen Welt nicht beachtet. Andere schauen einfach zu. Hinzu kommt die mangelnde Kritikfähigkeit - der Koran und alle muslimischen Überlieferungen dürfen nicht hinterfragt werden.

Wie viele Frauen unterstützen Sie zurzeit mit "Sabatina e.V."?

Aktuell sind es zehn Frauen, die wir betreuen, Anfragen haben wir von 150. Jährlich werden alleine in Deutschland tausende Frauen zwangsverheiratet, die genauen Zahlen lassen sich nur schätzen.

Wie helfen Sie den Frauen in der Praxis?

Wendet sich ein Mädchen an uns, die zur Heirat gezwungen werden soll, unterstützen wir sie darin, aus ihrer aktuellen Gefahrensituation - in vielen Fällen ihre Familie - herauszukommen. Wir arbeiten meistens sehr eng mit den Schulen, Jugendämtern, Frauenhäusern und dem "Weißen Ring" zusammen, schildern ihnen die Situation und Gefahr. Gemeinsam ermöglichen wir den Mädchen eine neue Unterkunft, bieten ihnen Schutz und, ganz wichtig, Begleitung. Denn die Mädchen sind nach einem solchen Schritt, der für sie unabdingbar ist, meist traumatisiert: Sie haben alle sozialen Bindungen verloren, die sie hatten. Ihnen wurde jahrelang eingeredet, dass sie eine Schande für die Familie seien, wenn sie nicht gehorchen. In vielen Fällen wurden die Mädchen auch körperlich misshandelt, um sie gefügig zu machen. Uns ist es wichtig, den Mädchen eine Schulbildung zu ermöglichen, sie in ein Opferschutzprogramm aufzunehmen - vor allem aber, sie vor einer Zwangsheirat zu retten.

Sie verstehen Ihren Verein auch als Beitrag zur Integration. Was fordern Sie von Muslimen in Deutschland?

Wir brauchen einen echten Dialog, nicht nur einen Monolog. Während in Deutschland Moscheen gebaut werden, leiden etwa Christen in muslimischen Ländern aufgrund ihres Glaubens. Christen dürfen nicht in der Bibel lesen, dürfen sich nicht zu Gottesdiensten versammeln. Es geht hier um die Menschenrechte, die in allen Ländern gleichwertig beachtet werden müssen. Doch in den offiziellen Dialogveranstaltungen wird darüber kaum gesprochen. Stattdessen kritisieren Muslime, in Deutschland herrsche eine "Islamophobie", es werde eine unberechtigte Angst vor dem Islam geschürt. Das sind Ablenkungsmanöver, die einem echten Dialog schaden.

Vielen Dank für das Gespräch!

VON: Andreas Dippel | 20.05.2010

Quelle: pro-medienmagazin.de

Sabatina James auf YouTube

Sterben sollst du für dein Glück!



Quelle: youtube.com

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