Was sagt die Bibel über die endzeitliche „Hölle"?
1 Welche Umstände zum heute vorherrschenden Verständnis
von Hölle beitrugen
Nicht die Bibel, sondern skurrile
Karikaturen und Witze haben die Vorstellungen über die Hölle bei vielen unserer
Zeitgenossen geprägt. Deshalb ist auch an dieser Stelle zu fragen, was die
Heilige Schrift unter „Hölle" versteht.
Zuerst ein kurzer Hinweis zur
Entwicklung des Wortes „Hölle":
Der
Begriff „Hölle" wurde vorrangig
im Mittelalter vom damaligen Weltbild geprägt und leitet sich von „hehlen" ab,
was so viel wie „verbergen" bedeutet. (Das Wort „Höhle" steht dem nahe.) So
verstanden auch die reformatorischen Bibelübersetzer des Mittelalters unter „Hölle"
schlicht einen verborgenen Ort, den sich kein Mensch recht vorstellen kann.
Aber es begannen sich alte philosophische Vorstellungen einzumischen: Da in
jener Zeit ein dreistufiges griechisch-römisches Weltbild mit den Bereichen
Himmel - Erde - Unterwelt vorherrschte, war der Himmel Aufenthaltsbereich für
Gott, die Engel und die Seligen gedacht, die Erde gehörte Menschen, Pflanzen
und Tieren und die „Unterwelt" (Romanisch „Inferno") war der Bereich für den Teufel, seine Dämonen
und böser Toten-Geister. Diesem Weltbild wurden diverse Bibelstellen zugeordnet
und oft bunt miteinander vermischt.
Auswirkungen dieser Weltsicht prägen das
Denken vieler Menschen bis heute, wenn sie an Hölle denken. Hölle ist für sie
der Bereich des Teufels. Und da für viele heute lebende Menschen der Teufel
kein Thema ist, formen Witze und Karikaturen die Vorstellung über die Hölle.
Während „gute"
Menschen zu Gott in den Himmel dürfen,
müssen die bösen „nach unten".
Außerdem wirkte im Mittelalter ein
weiteres Faktum: Die reformatorischen Übersetzer der Bibel fanden in den
Griechischen Texten des NT das Wort „Hades" (Totenreich). Da dieser Begriff in
der griechischen Mythologie auch der Name für das Totenreich und den Todes-Gott
war, wollten sie Verwechselung mit dem antiken heidnischen Götter- und
Totenkult vermeiden und übersetzten an vielen Stellen, wo „Hades/Totenreich"
steht, „Hölle". Sie meinten damit jenen
„abgegrenzten Raum" für die Verstorbenen in einer Unterwelt im Sinne des damals
vorherrschenden Weltbildes aus der heidnischen Antike. Doch mit dieser
Übersetzung kam es zu einer
Überschneidung mit anderen Begriffen („Gehenna" und „Feuersee"), die ihrerseits
im eigentlichen Sinne eine Straf-Hölle bezeichnen. Diese vielen Begriffs- und
Deutungsüberschneidungen sowie ein Weltbild, das der Bibel fremd ist, haben
letztlich dazu beigetragen, das biblische Verständnis von „Hölle" zu erschweren
und öffneten vielen Spekulationen und Irrungen Tür und Tor.
Deshalb müssen wir zuerst ein häufig
anzutreffendes Missverständnis klären.
Die Hölle (Gehenna) ist nicht der Ort,
wo Satan wohnt. Es ist der feurige Abgrund, in den Satan
einst geworfen werden wird (Offenbarung 20, 10). Denn Hölle ist im NT der Ort der endzeitlichen Strafe nach dem
letzten Gericht für den Satan, dessen Anti-Christus, des Anti-Geistes (falscher
Prophet), aller Dämonen und der Gottlosen.
Davon
abzugrenzen ist das einmal vergehende Totenreich (Hades).
2 „Hades" und „Gehenna" - zwei
wichtige neutestamentliche Begriffe
Zu beiden Begriffen drückt sich die Bibel
sehr vorsichtig aus. Dieser inneren Vorgabe folgen wir.
2.1 Was ist
„Gehenna"?
Zuerst ist „Gehenna" die Griechische
Bezeichnung für ein Tal südlich von Jerusalem, im dem zu Zeiten der Könige Ahas
und Manasse grausame Kinderopfer gebracht wurden (2.Könige 23, 10; 1.Chronika
28, 3; 33, 6), also ein Ort, mit dem sich Schlimmes verbindet.
Jesus (!) sprach von
„Gehenna" als einem Ort des göttlichen Strafgerichtes für die
„Verdammten" (Markus 9, 43). Dieser Ort ist nicht irdisch. Dieses strafende
Feuer ist für den Satan, dessen Anti-Christus, den falschen Propheten und für
den Tod bestimmt (Offenbarung 19, 10: 20, 10). Den Ort bezeichnet Jesus auch
als „Finsternis" (Matthäus 22, 13; 25, 30).
„Gehenna" ist aber ein Ort über den Gott
bestimmt. (vgl. Matthäus 10, 28).
Diese Gehenna-Hölle untersteht Seinem
Willen und demnach nicht der derzeitige Aufenthaltsort Satans.
Die zuletzt genannte Bibelstelle zeigt
auch, wozu „Gehenna" erwähnt wird: Diese
Bibelstellen sollen helfen, die Gewissen der Gläubigen wach zu rütteln und ein
einseitiges Verständnis von einem „lieben" Gott relativieren und Gottes Liebe
nicht gegen Seine Gerechtigkeit und Heiligkeit aus zu spielen.
Im Gericht über die Toten, dem
sogenannten letzten oder „jüngsten" Gericht werden alle, „...die nicht im Buch des Lebens" stehen, diesem Ort
des Gerichtes übergeben. Davon, dass es eine „Erlösung" aus diesem Ort des
Gerichtes gibt, sagt die Bibel nichts.
2.2 Was ist der „Hades" („Totenreich") ?
Gottes Wort spricht auch hiervon nur
sehr vorsichtig und lehrt keine „Geografie des Jenseits".
Wir lesen 10mal von „Hades/Totenreich"
im NT. Dieser Begriff ähnelt dem im AT gebrauchten Begriff „Scheol" (z.B.
Jesaja 14, 9 - 11) und wird dort nicht selten mit „Grube" wider gegeben.
Im NT bezeichnet „Hades/Totenreich"
einen Bereich, der den Verstorbenen vorbehalten ist. Lukas 16, 22 - 26 spricht
ausdrücklich von zwei verschiedenen Bereichen im Totenreich, die unüberbrückbar
voneinander getrennt sind. (Jesus spricht in Lukas 16, 22 ff. ausdrücklich
nicht von einem Gleichnis. Deshalb kann in seinen Ausführungen eine vorsichtige
Beschreibung des Totenreiches gesehen werden.)
Der Sieg von Jesus und seine
Auferstehung hat Ihn ausdrücklich auch Herrschaftsvollmacht über die Toten
gegeben. Also hat der Sieg von Jesus auch Auswirkungen auf den „Hades/Totenreich", vgl. Offenbarung 1,
18.