Dienstag, den 12. Januar 2010 um 02:00 Uhr | Geschrieben von: pro-medienmagazin.de | | |
Christlicher Rat an Tiger Woods sorgt für Ärger
Der Ausnahme-Golfspieler Tiger Woods steckt beruflich und privat in einer schweren Krise. Am besten, er fände nun Vergebung und Rettung in Jesus Christus, sagte der ehemalige Nachrichtenchef des amerikanischen Fernsehsenders "Fox News", Brit Hume, in einer Talkshow. Damit brach er eine Diskussion darüber los, wie weit man im amerikanischen Fernsehen über den christlichen Glauben sprechen darf.
Foto: Keith Allison/flickr)
Hiobsbotschaften
über Tiger Woods in den Medien auf. Spekulationen über bis zu 14
verschiedene Frauen, mit denen er seine Ehefrau Elin Nordegren betrogen
haben soll, machten die Runde. Das Paar hat zwei Kinder. Die Ehe steht
vor dem Aus, namhafte Sponsoren ziehen sich zurück.
In
der Fernsehsendung "Fox News Sunday" am 3. Januar sprach der frühere
Nachrichtenchef von "Fox News", Brit Hume, über Wood. Hume, der als
Analyst für den Sender arbeitet, sagte in der Sonntagmorgen-Sendung:
"Tiger Woods wird sich als Golfer erholen. Ob er sich als Person
erholen kann, ist eine sehr offene Frage. Es ist eine tragische
Situation für ihn. Ich glaube, er hat seine Familie verloren, für mich
ist es nicht klar, ob er wieder eine Beziehung zu seinen Kindern haben
wird (...)."
Dann gab er Woods einen Rat: "Wie gut er sich
erholen können wird, scheint auch von seinem Glauben abzuhängen. Man
sagt, er sei Buddhist. Ich finde nicht, dass dieser Glaube die Art von
Vergebung und Erlösung anbieten kann, wie er im christlichen Glauben
angeboten wird. Meine Botschaft an Tiger wäre: 'Tiger, komm zum
christlichen Glauben, und du kannst eine totale Wendung machen und ein
großartiges Beispiel für die Welt sein."
Der Golfspieler, der
bisher als der bestverdienende Sportler weltweit mit einem
Jahreseinkommen von geschätzten 100 Millionen US-Dollar galt, hatte vor
etwa zwei Jahren in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters
gesagt, seine Mutter habe mit ihm den buddhistischen Glauben
nähergebracht.
Empörung wegen Rat an Tiger Woods
Einen
Tag nach der Sendung äußerten mehrere Kommentatoren Kritik an Humes
Bemerkung. Ein Fernsehkritiker der "Washington Post", Tom Shales,
empörte sich in einem Artikel darüber, dass Hume es gewagt hatte,
anderen Menschen einen Glauben zu empfehlen. Hume habe alle Buddhisten
weltweit beleidigt, er müsse sich daher entschuldigen. Hume könne gerne
das Evangelium verbreiten, aber bitte nicht auf Fox News, so Shales.
Der
Journalist John Aloysius Farrell von "U.S. News & World Report"
verglich Christen mit islamistischen Terroristen: "Es braucht religiöse
Eiferer, um sich Sprengstoff um die Taille zu binden, um Gebete zu
murmeln, um ein CIA-Gebäude in Afghanistan in die Lust zu sprengen, um
ein Flugzeug über Detroit abstürzen zu lassen oder um ein Flugzeug ins
World Trade Center zu steuern. Oder aber um die Welt mit Kreuzzügen und
Inquisitionen zu bedenken und mit einer Brutalität, wie wir sie in
Belfast, Bosnien, Beirut oder Jerusalem sehen. Das macht Brits
Kommentar so unheimlich: die Selbstgewissheit, dass 'mein Gott besser
ist als deiner'."
Die Tageszeitung "Boston Globe" kommentierte,
Humes Ratschlag an Tiger Woods sei "ordinär und unangemessen". Im
Sender MSNBC sagte David Shuster: "Verunglimpft (Hume) nicht auch das
Christentum, wenn er so etwas in einer politischen Talksendung am
Sonntag sagt? Das ist keine Kirche, da geht es nicht um heilige Themen,
es ist eine politische Talksendung."
Hume erklärte einen Tag
nach der umstrittenen Sendung, er habe den Buddhismus nicht
diskreditieren wollen. "Ich wollte eher etwas über das Christentum
sagen als über irgendetwas anderes. Ich erwähnte den Buddhismus bloß,
weil seine Mutter Buddhistin ist, und er offenbar einmal gesagt, dass
er Buddhist sei. Ich weiß nicht, wie ernst er das wirklich betreibt.
Jesus Christus bietet Tiger Woods etwas an, was er dringend braucht."
Michael
Gerson vom "Boston Globe" verteidigte Humes religiöse Äußerung: "Man
nimmt hier an, eine Bekehrungspredigt sei das Gegenteil von Toleranz.
Wenn man die Überlegenheit einer religiösen Ansicht annimmt, ist das
nicht unbedingt etwas Schlimmes. (...) Die amerikanische Idee der
religiösen Freiheit verbietet aber keine Bekehrungspredigten. Sie setzt
sie voraus. Freie, eigenständige Individuen haben nicht nur das Recht,
zu glauben, was sie wollen, sie haben auch das Recht, diesen Glauben zu
ändern und andere dazu zu bringen, es ebenfalls zu tun. So wie es keine
politische Freiheit gäbe ohne das Recht, jemandes Überzeugungen zu
ändern, gibt es keine religiöse Freiheit ohne die Möglichkeit des
Konvertierens und Überzeugens." Und so habe Hume ganz legitim versucht,
andere von seinen religiösen Ansichten zu überzeugen.
Wer
behaupte, ein solcher Kommentar könne Millionen von Buddhisten weltweit
beleidigen, kenne sich nicht mit Religionen aus, so Gerson. "Religionen
machen immer Aussagen über die Realität und geraten damit in Konflikt
mit Aussagen anderer Religionen." Es gehe bei diesem "Skandal" eher
darum, dass sich manche Menschen von allen Religionen angegriffen
fühlten. "Obwohl ich weder Buddhist noch Moslem bin, fühle ich mich
nicht 'abgewiesen', wenn ein Moslem oder ein Buddhist öffentlich für
seinen Glauben eintritt."
"Medien wollen nichts Christliches"
In
einem Interview mit dem Magazin "Christianity Today" sagte Hume,
derartig heftige Reaktionen auf christliche Aussagen überraschten ihn
fast nicht: "Es ist eine Tatsache, dass die zwei explosivsten Wörter,
die man in der englischen Sprache sagen kann, Jesus Christus sind. Man
muss sie nicht einmal aussprechen, wenn man über Christentum spricht.
Glaube ruft erstaunliche Reaktionen hervor, viel positive und viel
negative."
Hume erklärte, dass er in einer christlichen Familie
aufwuchs, aber die meiste Zeit nur dem Papier nach Christ war. Als sich
sein Sohn vor elf Jahren selbst tötete, beschäftigte er sich ernster
mit dem Glauben. Und tatsächlich habe er Trost und Erlösung durch Jesus
Christus erfahren, berichtet er. Zu den jetzt aufgekommenen Vorwürfen
sagt er: "Wenn ich Tiger Woods nicht aufgerufen hätte, sich dem
Christentum zuzuwenden, sondern ihm stattdessen geraten hätte, seinen
Bezug zum Buddhismus zu verstärken oder sich dem Hinduismus zuzuwenden,
hätte wohl niemand irgendetwas gesagt. Es ist Christus und das
Christentum, das die Menschen aufregt."
Weiter sagte Hume: "Ich
glaube nicht, dass der Buddhismus feindlich gegenüber Vergebung oder
Erlösung gesinnt ist, aber beim Christentum geht es fundamental und
ganz besonders um Vergebung und Erlösung. Darauf basiert das
Christentum. Deswegen ist Christus gekommen. In dieser Hinsicht ist das
Christentum einmalig. (...) Das Christentum ist eine Religion für
Sünder." Deswegen wäre der christliche Glaube auch das Richtige für
Tiger Woods, so Hume. "Wir alle brauchen es. Und er, in seiner
verzweifelten Situation, wo er offenbar seine Familie verliert, braucht
es auch besonders. Und ich hoffe, er findet es."
Auf die Frage
"Ist das Christentum in den Medien willkommen?", antwortet Hume: "Nein.
Das Christentum wird von vielen in den Medien verachtet." Wenn etwa ein
Sportler in einem Interview sage, dass er alles Gott zu verdanken habe,
folge meistens betretenes Schweigen. "Die Leute fühlen sich unwohl
damit, sie wollen nicht darüber reden." (pro)
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