Die schlimmste Bedrohung von allen
Die schlimmste Bedrohung von allen
Von Chuck Freilich
Der nukleare Terrorismus ist eine der schwersten Bedrohungen für die Weltsicherheit - meint US-Präsident Barack Obama, der jüngst eine internationale Konferenz zum Thema veranstaltete. In Israel, das in seine eigenen Probleme versenkt ist, hat der Atomterror bislang zu wenig Interesse gefunden.
Von den Dimensionen der Bedrohung abgesehen, wirft der nukleare Terrorismus zwei einzigartige Probleme im Bereich der Abschreckung auf. Erstens sind die Kräfte, die ihn betreiben könnten, ihrem Wesen nach Nihilisten und bereit, jeden Preis für die Vernichtung Israels zu zahlen, weswegen sie kaum abzuschrecken sind. Das zweite Problem besteht im Fehlen einer „Adresse" zum Zwecke von Abschreckung und Vergeltung.
Der atomare Terror wäre dazu angetan, gegen Israel mit dem Ziel zum Einsatz gebracht zu werden, beispiellose Zerstörung zu verursachen, um es von offensiven Schritten wie einem Angriff auf iranische Atomanlagen oder einer Bezwingung der Hisbollah oder Syriens abzuschrecken, ihm sicherheitspolitische Diktate aufzuzwingen, seine nationale Stärke zu schwächen, als Rückendeckung atompolitischer Fähigkeit usf.
Die Hisbollah und die Hamas haben, so extremistisch sie auch sein mögen, bis dato eine klare Fähigkeit an den Tag gelegt, Vor- und Nachteile ihres Handelns abzuwägen - Kennzeichen eines „rationalen Akteurs -, und sind von daher abschreckbar. Die meisten Beobachter sind überzeugt, dass auch der Iran im Prinzip „rational" und abschreckbar ist. Die Fähigkeit, nuklearen Terror auszuüben, könnte jedoch diese Handlungsmuster verändern, und vor allem besteht das Problem von nihilistischen Elementen wie Al-Qaida, die in der Vergangenheit intensiv auf atomare Schlagkraft hingearbeitet hat; und es ist anzunehmen, dass sie dies auch heute noch tut.
Klar, dass Israel auf diplomatischer und geheimdienstlicher Ebene auf die Vereitelung jeglicher Möglichkeit zur Entstehung dieser Bedrohung hinarbeiten muss, allein und in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und anderen Staaten. Die primäre Frage ist, wie es sich verhalten sollte, wenn es erführe, dass bereits ein Programm zur Entwicklung atomarer Terrorkompetenz besteht oder in ein fortgeschrittenes bzw. gar operationelles Stadium eingetreten ist. Gegenüber solchen Möglichkeiten muss Israel sich eine entschlossene und eindeutige Abschreckungspolitik zu Eigen machen. Jedem muss klar sein, dass Israel sofort, ohne Zögern und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln handeln wird, sowohl gegen die direkt Involvierten als auch gegen die einer Involvierung lediglich Verdächtigen, nach dem Prinzip „Erst schießen, dann fragen".
Während diese Abschreckungsposition gegenüber dem Iran, der Hisbollah und der Hamas effektiv sein mag, ist stark zu bezweifeln, dass sie auch auf Al-Qaida Eindruck machen würde. Die gängige Meinung, wonach die Organisation sich überhaupt nicht abschrecken lasse, könnte richtig sein, ist aber bisher nicht bewiesen worden; die Konsequenzen daraus wären schwer. Daher gibt es keine andere Alternative, als zu prüfen, ob tatsächlich keinerlei Bedrohung besteht, so extrem sie auch sei, die eine Basis zur Abschreckung darstellen könnte, wie z.B. die Vernichtung von Bevölkerungszentren oder religiösen Stätten von großer Bedeutung für den Islam. Allein der Gedanke an so etwas erregt Abscheu, aber möglicherweise liegt nur in derlei Drohszenarien das Potential, eine beispiellose Bedrohung Israels abzuwenden.
Die gute Nachricht ist, dass es bisher noch keiner Terrororganisation gelungen ist, sich Nuklearkompetenz zu erwerben. Technische Hürden gibt es viele, und die internationale Gemeinschaft legt unter Führung der USA steigende Wachsamkeit an den Tag, so dass Israel wahrscheinlich keiner unmittelbaren Gefahr ausgesetzt ist. Daher gibt es Zeit dafür, eine umfassende Vereitelungs- und Abschreckungspolitik zu entwickeln. Denn eins ist klar: Die Dimensionen der Bedrohung sind unerträglich und verpflichten zu einer angemessenen Erwägung, je früher desto besser.
Chuck Freilich war stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats.
(Haaretz, 28.04.10)
Die saudische Nuklear-Option
Infolge des iranischen Programms erwarten Experten seit Langem einen nuklearen Rüstungswettlauf im Nahen Osten. Insbesondere Saudi-Arabien gilt dabei als möglicher Kandidat für ein eigenes Atomprogramm. Das Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS) hat eine Analyse zu diesem Thema veröffentlicht.
„Als der führende arabische Staat in der Golfregion (und in Anbetracht von Ägyptens Schwäche vielleicht der führende Staat innerhalb der arabischen Welt) und Hauptkonkurrent Irans um regionalen Einfluss wird Saudi-Arabien Schwierigkeiten damit haben, tatenlos zu bleiben, wenn der Iran eine atomare militärische Schlagkraft erzielen sollte. Bereits 2003 berichtete der frühere Leiter des israelischen Militärgeheimdienstes, Aharon Ze’evi Farkash dem Außen- und Sicherheitspolitischen Ausschuss der Knesset, dass ‚die Saudis in Kontakt mit Pakistan stehen, um atomare Sprengköpfe für die Boden-Boden-Raketen in ihrem Arsenal zu erweben … Sie haben beschlossen, zu handeln, um das Terrorgleichgewicht gegenüber Irans Aufrüstung zu überwinden, und beabsichtigen, pakistanische Sprengköpfe auf ihrem Boden zu stationieren.’
Trotz Saudi-Arabiens relativer Transparenz und Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft in Nuklearfragen gibt es mehr als einige wenige Zweifel in Bezug auf seiene Glaubwürdigkeit. Schließlich unterhielt es in der Vergangenheit sehr enge Beziehungen mit Pakistan. Mehr als einmal ist behauptet worden, in Wirklichkeit stünde Saudi-Arabien hinter der Finanzierung von Pakistans Atom- und Raketenprogrammen. Nach der Islamischen Revolution stationierte Pakistan während der 1980er Jahre Truppen in Saudi-Arabien, und die beiden Staaten kooperierten eng bei der Unterstützung der afghanischen Mujaheddin. Daher könnte es gut möglich sein, dass Saudi-Arabien, wenn es in eine sensible Sicherheitslage gerät, aus seiner Investition in das pakistanische Programm Kapital zu schlagen wird.“
Die vollständige Analyse gibt es unter dem folgenden Link: http://www.inss.org.il/publications.php?cat=21&incat=&read=3973
(INSS, 26.04.10)
Quelle: israel.de
Von Chuck Freilich
Der nukleare Terrorismus ist eine der schwersten Bedrohungen für die Weltsicherheit - meint US-Präsident Barack Obama, der jüngst eine internationale Konferenz zum Thema veranstaltete. In Israel, das in seine eigenen Probleme versenkt ist, hat der Atomterror bislang zu wenig Interesse gefunden.
Von den Dimensionen der Bedrohung abgesehen, wirft der nukleare Terrorismus zwei einzigartige Probleme im Bereich der Abschreckung auf. Erstens sind die Kräfte, die ihn betreiben könnten, ihrem Wesen nach Nihilisten und bereit, jeden Preis für die Vernichtung Israels zu zahlen, weswegen sie kaum abzuschrecken sind. Das zweite Problem besteht im Fehlen einer „Adresse" zum Zwecke von Abschreckung und Vergeltung.
Der atomare Terror wäre dazu angetan, gegen Israel mit dem Ziel zum Einsatz gebracht zu werden, beispiellose Zerstörung zu verursachen, um es von offensiven Schritten wie einem Angriff auf iranische Atomanlagen oder einer Bezwingung der Hisbollah oder Syriens abzuschrecken, ihm sicherheitspolitische Diktate aufzuzwingen, seine nationale Stärke zu schwächen, als Rückendeckung atompolitischer Fähigkeit usf.
Die Hisbollah und die Hamas haben, so extremistisch sie auch sein mögen, bis dato eine klare Fähigkeit an den Tag gelegt, Vor- und Nachteile ihres Handelns abzuwägen - Kennzeichen eines „rationalen Akteurs -, und sind von daher abschreckbar. Die meisten Beobachter sind überzeugt, dass auch der Iran im Prinzip „rational" und abschreckbar ist. Die Fähigkeit, nuklearen Terror auszuüben, könnte jedoch diese Handlungsmuster verändern, und vor allem besteht das Problem von nihilistischen Elementen wie Al-Qaida, die in der Vergangenheit intensiv auf atomare Schlagkraft hingearbeitet hat; und es ist anzunehmen, dass sie dies auch heute noch tut.
Klar, dass Israel auf diplomatischer und geheimdienstlicher Ebene auf die Vereitelung jeglicher Möglichkeit zur Entstehung dieser Bedrohung hinarbeiten muss, allein und in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und anderen Staaten. Die primäre Frage ist, wie es sich verhalten sollte, wenn es erführe, dass bereits ein Programm zur Entwicklung atomarer Terrorkompetenz besteht oder in ein fortgeschrittenes bzw. gar operationelles Stadium eingetreten ist. Gegenüber solchen Möglichkeiten muss Israel sich eine entschlossene und eindeutige Abschreckungspolitik zu Eigen machen. Jedem muss klar sein, dass Israel sofort, ohne Zögern und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln handeln wird, sowohl gegen die direkt Involvierten als auch gegen die einer Involvierung lediglich Verdächtigen, nach dem Prinzip „Erst schießen, dann fragen".
Während diese Abschreckungsposition gegenüber dem Iran, der Hisbollah und der Hamas effektiv sein mag, ist stark zu bezweifeln, dass sie auch auf Al-Qaida Eindruck machen würde. Die gängige Meinung, wonach die Organisation sich überhaupt nicht abschrecken lasse, könnte richtig sein, ist aber bisher nicht bewiesen worden; die Konsequenzen daraus wären schwer. Daher gibt es keine andere Alternative, als zu prüfen, ob tatsächlich keinerlei Bedrohung besteht, so extrem sie auch sei, die eine Basis zur Abschreckung darstellen könnte, wie z.B. die Vernichtung von Bevölkerungszentren oder religiösen Stätten von großer Bedeutung für den Islam. Allein der Gedanke an so etwas erregt Abscheu, aber möglicherweise liegt nur in derlei Drohszenarien das Potential, eine beispiellose Bedrohung Israels abzuwenden.
Die gute Nachricht ist, dass es bisher noch keiner Terrororganisation gelungen ist, sich Nuklearkompetenz zu erwerben. Technische Hürden gibt es viele, und die internationale Gemeinschaft legt unter Führung der USA steigende Wachsamkeit an den Tag, so dass Israel wahrscheinlich keiner unmittelbaren Gefahr ausgesetzt ist. Daher gibt es Zeit dafür, eine umfassende Vereitelungs- und Abschreckungspolitik zu entwickeln. Denn eins ist klar: Die Dimensionen der Bedrohung sind unerträglich und verpflichten zu einer angemessenen Erwägung, je früher desto besser.
Chuck Freilich war stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats.
(Haaretz, 28.04.10)
Die saudische Nuklear-Option
Infolge des iranischen Programms erwarten Experten seit Langem einen nuklearen Rüstungswettlauf im Nahen Osten. Insbesondere Saudi-Arabien gilt dabei als möglicher Kandidat für ein eigenes Atomprogramm. Das Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS) hat eine Analyse zu diesem Thema veröffentlicht.
„Als der führende arabische Staat in der Golfregion (und in Anbetracht von Ägyptens Schwäche vielleicht der führende Staat innerhalb der arabischen Welt) und Hauptkonkurrent Irans um regionalen Einfluss wird Saudi-Arabien Schwierigkeiten damit haben, tatenlos zu bleiben, wenn der Iran eine atomare militärische Schlagkraft erzielen sollte. Bereits 2003 berichtete der frühere Leiter des israelischen Militärgeheimdienstes, Aharon Ze’evi Farkash dem Außen- und Sicherheitspolitischen Ausschuss der Knesset, dass ‚die Saudis in Kontakt mit Pakistan stehen, um atomare Sprengköpfe für die Boden-Boden-Raketen in ihrem Arsenal zu erweben … Sie haben beschlossen, zu handeln, um das Terrorgleichgewicht gegenüber Irans Aufrüstung zu überwinden, und beabsichtigen, pakistanische Sprengköpfe auf ihrem Boden zu stationieren.’
Trotz Saudi-Arabiens relativer Transparenz und Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft in Nuklearfragen gibt es mehr als einige wenige Zweifel in Bezug auf seiene Glaubwürdigkeit. Schließlich unterhielt es in der Vergangenheit sehr enge Beziehungen mit Pakistan. Mehr als einmal ist behauptet worden, in Wirklichkeit stünde Saudi-Arabien hinter der Finanzierung von Pakistans Atom- und Raketenprogrammen. Nach der Islamischen Revolution stationierte Pakistan während der 1980er Jahre Truppen in Saudi-Arabien, und die beiden Staaten kooperierten eng bei der Unterstützung der afghanischen Mujaheddin. Daher könnte es gut möglich sein, dass Saudi-Arabien, wenn es in eine sensible Sicherheitslage gerät, aus seiner Investition in das pakistanische Programm Kapital zu schlagen wird.“
Die vollständige Analyse gibt es unter dem folgenden Link: http://www.inss.org.il/publications.php?cat=21&incat=&read=3973
(INSS, 26.04.10)
Quelle: israel.de
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