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Fall Sarrazin: Linke protestieren gegen Buchvorstellung

Fall Sarrazin: Linke protestieren gegen Buchvorstellung

Thilo Sarrazin bei der Präsentation seines Buches in Berlin (Foto: JF)
BERLIN. Die Vorstellung von Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab" ist am Montag von Protesten begleitet worden. Etwas 200 Demonstranten protestierten gegen den Auftritt des ehemaligen Berliner Finanzsenators vor dem Gebäude der Bundespressekonferenz und warfen ihm „Rassismus" und „Sozialdarwinismus" vor. Aufgerufen dazu hatte ein Bündnis mit dem Namen „Rechtspopulismus stoppen". Die Berliner Polizei sicherte den Veranstaltungsort mit zahlreichen Einsatzkräften ab.

Unterstützt wurde der Protest von Mitgliedern der Linkspartei, der Grünen, der SPD sowie der Dienstleistungsgewerkschaft verdi und der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Das ,,neue Euthanasieprogramm" von Sarrazin müsse gestoppt und eine ,,solidarische Einwanderungspolitik" vertreten werden, forderte ein Sprecher der linksextremen „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten", die sich ebenfalls an der Demonstration beteiligte.

Ebenso wie die SPD-Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, die Sarrazin in ihrem Redebeitrag des Rassismus beschuldigte und ihr Bedauern über dessen SPD-Mitgliedschaft äußerte.

„Fall von Hexenjagd"

Zu der Buchpräsentation war auch der Publizist Henryk M. Broder erschienen, der das Geschehen zeitweise sichtlich amüsiert beobachtete. Bereits im Vorfeld hatte Broder gesagt, es handle sich bei der Kritik an Sarrazin um den ,,ersten Fall von Hexenjagd in Deutschland seit der Mitte des 17. Jahrhunderts".

Weniger entspannt sah das dagegen der Fernsehmoderator Michel Friedman, der sich die Veranstaltung ebenfalls nicht entgehen lassen wollte. Ihm gehe es bei seiner Kritik an Sarrazin nicht um das „Ob" einer notwendigen Debatte über Integration, sondern um das „Wie", sagte Friedman.

Drinnen stellte unterdessen die türkischstämmige Soziologin Necla Kelek Sarrazins Buch den zahlreich erschienenen Journalisten vor und fand deutliche Worte für dessen Kritiker: „Hier hat sich ein verantwortungsvoller Bürger einen Kopf gemacht. Jetzt soll er um diesen Kopf kürzer gemacht werden." Dabei sei es noch niemandem gelungen, Sarrazins Thesen zu widerlegen. Statt dessen solle die Debatte mit dem Rassismusvorwurf abgewürgt werden.

Sarrazins selbst unterstrich noch einmal, daß ihn der Abschied des deutschen Volkes aus der Geschichte emotional berühre. Bildung als Allheilmittel für Probleme mit Zuwanderern und der gesellschaftlichen Unterschicht sei zu einem Fetisch geworden. Problematisch seien nicht alle Ausländer, sondern nur ein Teil von ihnen - und zwar der aus muslimischen Ländern. Er plädiere daher für eine Einwanderungspolitik mit hohen Qualifikationsbarrieren und einem Verbot von Sozialleistungen für Zuwanderer.

„Ich liebe alle Steuerzahler"

Bei den etwa 200 Journalisten und Medienvertretern stießen Sarrazins Vorschläge erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe. Eine vermutlich türkischstämmige taz-Journalistin fragte den SPD-Politiker schwer atmend, ob er den Islam als Teil Deutschlands akzeptiere. Sarrazin lächelte nur und sagte: „Der Islam ist eine Religion und kann daher nicht Teil von etwas sein." Er liebe aber alle Steuerzahler, auch die muslimischen, egal ob sie große oder kleine Steuerzahler seien.

Kritik ließ Sarrazin während der Veranstaltung weitgehend an sich abprallen. Einer Reporterin des Radiosenders Fritz, die von ihm wissen wollte, warum er angeblich kein Rassist sei, obwohl er doch entsprechende Thesen vertrete, antwortete Sarrazin nur: „Sie haben mein Buch nicht gelesen." Eine ähnliche Abfuhr handelte sich auch ein Vertreter der türkischen Tageszeitung Hürriyet ein. (le/rg)

> Bildstrecke von der Buchpräsentation

Quelle: jungefreiheit.de

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