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Geringfügig weniger Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2010


Neueste Zahlen vorgelegt: Geringfügig weniger Schwangerschaftsabbrüche im Jahr 2010

Wiesbaden / Heidelberg (ALfA). Im Jahr 2010 wurden rund 110.400 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet. Das waren 0,2 Prozent oder 300 weniger als im Jahr 2009, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am 16. März mit. Darunter waren auch 462 so genannte Spätabtreibungen, d.h. Schwangerschaftsabbrüche, die nach der 22. Woche und später durchgeführt wurden.

Knapp drei Viertel, d.h. 74 Prozent der Frauen, die im Jahr 2010 Schwangerschaftsabbrüche durchführen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahren alt, 15 Prozent waren zwischen 35 und 39 Jahren. Fast 8 Prozent der Frauen waren 40 Jahre und älter. Die unter 18-Jährigen hatten einen Anteil von vier Prozent. Ihre Anzahl ging im Vergleich zum Jahr 2009 um 400 auf rund 4500 zurück. 40 Prozent der Schwangeren hatten vor der vorgeburtlichen Kindstötung noch keine Lebendgeburt.

Über 97 Prozent der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Indikationen waren in weniger als drei Prozent der Fälle die Begründung für den Abbruch. Die meisten Abtreibungen, d.h. 72 Prozent, wurden mit der Absaugmethode der sogenannten Vakuumaspiration, durchgeführt, bei 15 Prozent wurde das Mittel Mifegyne verwendet. Die vorgeburtlichen Kindstötungen erfolgten überwiegend ambulant - rund 79 Prozent in gynäkologischen Praxen und knapp 19 Prozent ambulant im Krankenhaus. Sechs Prozent der Frauen ließen die Abtreibung in einem Bundesland vornehmen, in dem sie nicht wohnten.

Ergänzend gab das Statistische Bundesamt die Zahlen für das vierte Quartal 2010 bekannt. Demnach wurden in diesem Zeitraum rund 26.700 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet, das sind rund 0,6 Prozent weniger als im vierten Quartal 2009.

Alternativen zur Abtreibung

Mit Blick auf die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes kritisierte der Leiter des Projekts "1000plus" des Pro Femina e.V., Kristijan Aufiero, eine "massenhaft unterlassene Hilfeleistung" für Schwangere in Not. Er gab in einer Stellungnahme zur Pressemitteilung des Statistikamtes zu bedenken, dass über die Menschen, ihre Motive und die Schicksale, die hinter diesen Zahlen stehen, die Statistik keine Auskunft gibt. Bei der "Begründung des Abbruchs" werde lediglich unterschieden zwischen medizinischer und kriminologischer Indikation sowie nach Abtreibungen laut Beratungsregelung.

Im vergangenen Jahr wandten sich laut dem Projektleiter 537 Frauen an die Konfliktberatungsstelle von 1000plus in Heidelberg. In derselben Zeit stand das Online-Beratungsteam von Pro Femina e.V. mit 804 Frauen im Schwangerschaftskonflikt in schriftlichem Kontakt. "Von diesen Frauen kennen wir die Motive für eine Abtreibung. Der häufigste Grund für die Abtreibungsentscheidung einer Frau lautete: "Er will das Kind nicht." Daneben werden Beziehungsprobleme in allen Facetten, finanzielle oder berufliche Schwierigkeiten, Überforderung und Erschöpfung sowie "der falsche Zeitpunkt" genannt, also Umstände, die subjektiv als nicht ideal empfunden werden", so Aufiero. Von Entscheidungsfreiheit könne in den meisten Fällen gar nicht die Rede sein. "Die meisten Frauen entscheiden sich für eine Abtreibung, weil sie keine Alternative sehen. Ohne echte Alternativen zur Abtreibung gibt es keine Wahl und keine Entscheidungsfreiheit", erklärte Aufiero.

"Der Punkt ist: Keines dieser Probleme der Schwangeren wird durch eine Abtreibung gelöst. Das kann nur durch lösungsorientierte Beratung und konkrete Hilfe geschehen. Eine ungewollt Schwangere wünscht sich keine Abtreibung, sondern die Umstände, unter denen sie ihr Baby bekommen kann. Bei 1000plus entscheiden sich über 70 Prozent der abtreibungswilligen Schwangeren nach einer intensiven Beratung und einem gemeinsam mit ihr erarbeiteten, konkreten Hilfsangebot für das Austragen ihres Kindes. Sie entscheiden sich für die Alternative", so der 1000plus-Projektleiter. "Diese Tatsache macht überdeutlich: Das Phänomen der Massenabtreibung in Deutschland ist im Grunde genommen ein Phänomen der massenhaften unterlassenen Hilfeleistung", erklärte Aufiero abschließend.

Der gemeinnützige Verein Pro Femina wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, ungewollt Schwangeren durch Beratung und Hilfe eine Perspektive für das Leben mit dem Kind zu eröffnen. Die Erarbeitung von echten Alternativen zur Abtreibung ist das zentrale Anliegen der Beratungstätigkeit des Vereins. Pro Femina sowie alle mit dem Verein kooperierenden Beratungspartner stellen daher keine so genannten "Beratungsscheine" aus.

Auch die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) bietet Alternativen zu einer Abtreibung, sowohl durch Beratung und Hilfe für Schwangere in Notsituationen als auch längerfristig durch Patenschaftsaktionen. Mehr dazu finden Sie auf unserer Webseite (siehe unten).

Weitere Informationen:

* Detaillierte Informationen zu den Schwangerschaftsabbrüchen in der Datenbank GENESIS-Online

* Rat und Hilfe für Schwangere in Not von ALfA

* 1000 Plus Projekt von Pro Femina e.V.

Quelle: alfa-ev.de

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