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Ehemalige SED-Frau wird MDR-Intendantin

Ehemalige SED-Frau wird MDR-Intendantin


Karola Wille ist am Sonntag in einer Sondersitzung zur neuen Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) gewählt worden. Zuvor hatten mehrere Personen Protest gegen die Kandidaten erhoben, weil sie während der DDR-Diktatur SED-Mitglied war, unter dem Regime Karriere machte und in ihrer Doktorarbeit die Vorzüge des Sozialismus gepriesen hatte.
  
Karola Wille ist neue MDR-Intendantin. Ihre Vergangenheit ist von einer Mitgliedschaft in der SED und einer Legitimation des sozialistischen Systems überschattet (Foto: MDR/ Martin Jehnichen)

Die 52-jährige Wille war bislang juristische MDR-Direktorin. Sie löst nun Udo Reiter ab, der seit der Gründung des MDR vor 20 Jahren Intendant der Fernsehanstalt war, die für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig ist. Er hatte im Mai seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt und scheidet bereits Ende Oktober aus.

Es ist bereits der zweite Anlauf für die Intendantenwahl beim MDR. Vor etwa vier Wochen hatte das Gremium den ersten Kandidaten, Chefredakteur Bernd Hilder von der "Leipziger Volkszeitung", durchfallen lassen. Der MDR-Verwaltungsrat schlug Wille vor rund zwei Wochen einstimmig für die Spitzenposition beim fünftgrößten ARD-Sender vor. Sie war bei der Wahl am Sonntag die einzige Kandidatin. Der Verwaltungsratsvorsitzende Gerd Schuchardt lobte laut dpa: "Den Gremien des MDR ist Karola Wille als kompetente und engagierte Führungspersönlichkeit bekannt."

Geboren wurde Wille 1959 in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt). Mit 18 Jahren wurde sie Mitglied der SED. "Aus Überzeugung", wie sie laut der "BZ" selbst sagt. Sie stammte aus einer SED-nahen Familie und hatte keine Probleme, einen Studienplatz an der juristischen Fakultät in Jena zu bekommen. "Jahrelang war sie mit einem DDR-Militärstaatsanwalt verheiratet", so die Berliner Zeitung. Ihre Doktorarbeit verfasste sie zum Thema Ausländerkriminalität im sozialistischen Staat: "Die Vorzüge des Sozialismus sind auch im internationalen Rahmen umfassend zur Geltung zu bringen."

Unverständnis für die Wahl Willes

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Hugo Diederich, sagte: "Wir wollen nicht, dass im MDR die DDR weiter fortgesetzt wird. Deshalb ist eine Frau, die in ihrer Dissertation noch 1985 dem Sozialismus gehuldigt hat, nicht wählbar. Es wäre das Beste, wenn der Verwaltungsrat dem Rundfunkrat einen unbelasteten Kandidaten zur Wahl vorschlägt."

Ihr Verhalten passe nicht zur versprochenen Aufklärung und Transparenz, sagte der Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, Rainer Wagner, laut einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen". Zweifler fragten auch, welche Mitverantwortung sie in ihrer Position für die MDR-Affären hat, so die Zeitung weiter.

Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, sagte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (F.A.Z.), es sei "ein fatales Signal für die notwendige Aufarbeitung der SED-Diktatur, wenn ehemalige Legitimatoren des Unrechtsstaates" wie Karola Wille "Karriere beim ehemaligen Klassenfeind machen, ohne sich öffentlich ihrer Vergangenheit zu stellen".

Auch der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse von der TU Chemnitz meine, "die Wahl von Frau Wille wäre ein falsches Zeichen, was die nötige Aufarbeitung im MDR angeht". Sie sei "mit ihrer Vergangenheit bisher nicht offen umgegangen". Zudem hätten "in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre längst nicht alle Repräsentanten des wissenschaftlichen Kommunismus beziehungsweise des Marxismus-Leninismus so primitiv argumentiert, wie es Frau Wille getan hat". (pro)

VON: js | 23.10.2011

Quelle: pro-medienmagazin.de

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