Racheakt wegen angeblicher Koranverbrennung
Tansania: Racheakt wegen angeblicher Koranverbrennung
Vier Christen in Haft, drei Kirchen niedergebrannt
(Open Doors) - Wie das Hilfswerk Open Doors jetzt erfahren hat, sind im ostafrikanischen Tansania seit über einem Monat vier Christen in Haft. Sie sollen Seiten des Korans verbrannt haben. Dagegen gingen mehrere Muslime, die aus Vergeltung drei Kirchen niedergebrannt haben, straffrei aus. Die Anklage wegen Schändung des Korans gegen die jungen Christen läuft. Sie gehören einer Gemeinde der "Assemblies of God" in der Region Mwanza an. Open Doors bittet, für sie und die betroffenen Kirchengemeinden zu beten.
Lebenswende einer Hexe
Die Männer waren vor über einem Monat von einer Muslima in ihr Haus eingeladen worden. Sie sprachen mit ihr über das Evangelium und beteten für sie. Daraufhin bekehrte sie sich zu Jesus Christus und wollte sich als sichtbares Zeichen ihrer Lebenswende von bis dahin praktizierter Zauberei und okkulten Praktiken abwenden. Also bat sie die Männer, ihr dabei zu helfen, diverse Fetische und Schriftstücke mit Zauberformeln zu verbrennen, darunter auch Bilder mit Motiven aus der arabischen Kultur. Überraschend kam ihr Schwiegersohn nach Hause und deutete die Vernichtung der Sachen als Schändung des Korans. Augenblicklich stürmte er in die nächste Moschee und berichtete den Vorfall. Örtliche muslimische Geistliche beschuldigten daraufhin die vier Christen der Schändung des Korans, obwohl sie keinerlei Beweise dafür im Haus der Frau gefunden hatten. Sie brachten lediglich etwas Asche in die Moschee. Am nächsten Tag gingen die Muslime mit der Asche zur Polizeiwache von Mwanza Central, um Anzeige zu erstatten. Doch die Beamten erklärten, dass die Asche ein unzulässiges Beweismittel und eine ordentliche Tatortuntersuchung nicht mehr möglich sei.
Vergeltungsakt
Auch die vier Christen erklärten der Polizei den eigentlichen Vorgang, doch ihre Darstellung und die Beschwerde gegen das Vorgehen der Muslime wurden ignoriert. Stattdessen verhaftete sie die Polizei und legte ihnen offiziell die Verbrennung eines Korans zur Last. Radikale Muslime griffen daraufhin zur Selbstjustiz und setzten am 21. September drei Kirchen im Bezirk Ilemela in Brand. Betroffen waren die "Tanzania Assemblies of God" (TAOG) in Lumala und Nyamanolo sowie die "Pentecostal Assemblies of God" (PAOG) in Pasiansi. Bei einer ersten Anhörung vor einem Amtsrichter tobten radikale Muslime im Gerichtssaal und forderten die Herausgabe der Angeklagten. Derzeit sitzen die vier Christen im Gefängnis Butimba. Für die Niederbrennung der Kirchen wurde bislang niemand zur Verantwortung gezogen.
Quelle: opendoors-de.org
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