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Kloster Mor Gabriel: Ruhe für einen Ort des Gebets

Kloster Mor Gabriel: Ruhe für einen Ort des Gebets


Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) hat in einem ganzseitigen Beitrag ihrer Samstagsausgabe die schwierige Situation der Christen in der Türkei thematisiert. Darin geht es vor allem um den aktuellen juristischen Streit um die Besitzverhältnisse des Klosters Mor Gabriel. Dessen Ausgang werde viel darüber aussagen, wie die Regierung in Ankara tatsächlich zu der christlichen Minderheit im Land stehe.
  
Türme des Klosters "Mor Gabriel" im Südosten der Türkei. Der Ausgang der juristischen Auseinadersetzung um das Kloster, zeige laut eines "FAZ"-Beitrages, wie Ankara tatsächlich zu der christlichen Minderheit im Land stehe. (Foto: Gerry Lynch / Wikipedia)

Das Kloster, an dessen Spitze seit 1984 als Abt Bischof Timotheos steht, gilt als Hüter der christlichen Kultur im Osten der Türkei. 397 nach Christus gegründet, gab es dort früher bis zu 1.000 Mönche. Aber laut Beitrag gehe es nicht nur in Südostanatolien, wo sich das Kloster befindet, um die Daseinsberechtigung der türkischen Christen in einem Land, in dem 99 Prozent Muslime sind.

Kaum vorstellbar, was es bedeutet als Christ hier zu leben

Für die westliche Welt rückte erst mit dem Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei das Schicksal der Christen in den Blick der Öffentlichkeit. Die Welt machte sich "auf einmal Gedanken" darüber, dass es in der Türkei eine diskriminierte christliche Minderheit gebe. "Der elementare Unterschied zwischen den Menschen in Europa und uns ist, dass sie sich nicht vorstellen können, was es bedeutet als Christ hier zu leben", zitiert die "FAZ" Abt Timotheos.

Zurzeit liege das Kloster im juristischen Streit mit einigen Nachbardörfern. Auch die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen im Westen, mache die Lage für die Christen in der Türkei nicht einfacher und immer wieder zur Zielscheibe nationalistisch-religiöser Fanatiker. Das Kloster selbst musste nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung schon einmal Grund und Boden abgeben, obwohl Ministerpräsident Erdogan unabhängig von der Religionszugehörigkeit immer nur von "Bürgern erster Klasse" spreche.

Kirchen sind Moschee, Lagerhalle und Stall

Ein neues türkisches Schulbuch beweise das Gegenteil. Darin heißt es, "Assyrer seien Landesverräter, die aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert und im Westen zum Werkzeug der politischen und religiösen Interessen" geworden seien. Und auch die Nutzung der drei ehemaligen Kirchen zeige die Realität: eine davon werde als Moschee genutzt, die andere eine Lagerhalle und die dritte eine Stall für Schafe und Ziegen

Viele Christen hätten in den sechziger Jahren auf das deutsch-türkische Anwerbeabkommen reagiert und seien nach Europa geflohen um der Diskriminierung zu entgehen. Diejenigen, die sich heute vor Ort für die Situation der Menschen in Mor Gabriel einsetzen, finden deutliche Worte für den Status quo. Einer von ihnen ist Ali Özdemir, der in dem Artikel zitiert wird. Er ist überzeugt davon, dass keines der Dörfer eine Klage angestrengt hätte, wenn das Kloster muslimisch gewesen wäre: "Es ist Unrecht, das Eigentum eines anderen zu nehmen. Der Boden auf dem das Kloster steht, ist heilig", sagt er. Den Christen ihren Besitz zu rauben, habe System. Der Dorfvorsteher eines Nachbarortes fügt hinzu: "Es ist ein großes Unrecht, was da passiert. Das Kloster würde niemals jemanden Schaden zufügen. Wir wollen, dass man das Kloster endlich in Ruhe lässt. Es ist ein Ort des Gebets."

Auf Initiative der Unions-Bundestagsfraktion hatte der Deutsche Bundestag bereits in der vergangenen Legislaturperiode in einem Beschluss gefordert, die Rechte der religiösen Minderheiten in der Türkei zu gewähren und den Schutz des Klosters Mor Gabriel sicherzustellen. Die SPD-Fraktion teilte im Januar mit: "Das Kloster Mor Gabriel verdient unseren Schutz und muss dauerhaft erhalten bleiben". Es sei das geistliche und kulturelle Zentrum syrisch-orthodoxer Christen in Südostanatolien und eines der letzten intakten Klöster in der Türkei. (pro)

VON: jw | 27.11.2011

Quelle: pro-medienmagazin.de

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