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Nigeria: Islamisten wollen Christen verdrängen

Nigeria: Islamisten wollen Christen verdrängen


Die islamistische Sekte "Boko Haram" hat die im überwiegend islamisch geprägten Norden Nigerias lebenden Christen aufgefordert, den Landesteil innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Der Leiter des christlichen Hilfswerkes "Open Doors", Markus Rode, ist der Überzeugung, dass die Sekte mit diesem Ultimatum ihre Macht austesten will.

Nigerianische Christen feiern in ihrer zerstörten Kirche einen Gottesdienst. Fünf Millionen Christen im Norden Nigerias sind direkt von Verfolgung bedroht (Foto: Open Doors)

"Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas", erklärt Rode gegenüber pro. "Afrika gilt für 'Boko Haram' als für den Islam gewonnen, wenn die Scharia in diesem Land in voller Härte umgesetzt wird." Die Sekte, deren Name frei ins Deutsche übersetzt "moderne Erziehung ist Sünde" bedeute und die sich als "Al-Qaida Nigerias" bezeichne, wolle das ganze Land in Angst und Schrecken versetzen und zum "Haus des Islams" machen. Dabei sei es ein Etappenziel, den christlichen Plateau-Bundesstaat, der wie ein Puffer zwischen dem muslimischen Norden und christlichen Süden des Landes liegt, einzunehmen, um den christlichen Einfluss vollständig aus Nigeria zu verdrängen. Bereits jetzt sei in den Bundesstaaten im Norden die Scharia umgesetzt.

"Ein Massaker aus dem Nichts heraus kann jederzeit passieren"

Rode weist darauf hin, dass allgemein eine Wanderung von Christen nach Süden zu verzeichnen sei, doch gebe es auch viele Christen, denen keine Mittel für die Flucht zur Verfügung stünden. "Im Norden sind derzeit circa fünf Millionen Christen unmittelbar von Verfolgung bedroht, das heißt, sie müssen stets mit direkter Lebensbedrohung rechnen. Ein Massaker aus dem Nichts heraus kann jederzeit passieren", befürchtet der Leiter des Hilfswerks, das sich weltweit für verfolgte Christen einsetzt.

Die islamistische Sekte "Boko Haram" hatte sich zu den Anschlägen bekannt, bei denen in den Weihnachtsfeiertagen mindestens 49 Menschen ums Leben gekommen sind. Aus Angst vor neuen Terroranschlägen hatten daraufhin zahlreiche Kirchen in Nigeria ihre mitternächtlichen Silvestergottesdienste abgesagt. Mittlerweile hat der christliche Staatschef Nigerias Goodluck Jonathan in mehreren Unruheregionen in den vier Bundesstaaten Borno, Niger, Plateau und Yobe den Ausnahmezustand verhängt. Überdies veranlasste er die Schließung von einigen Grenzabschnitten zur Verhinderung "grenzüberschreitender terroristischer Aktivitäten", berichtet die Tageszeitung "Die Welt". Der Sprecher von "Boko Haram", Abu Qaqa, sagte demnach, dass die Soldaten in Regionen des derzeitigen Ausnahmezustands "nur unschuldige Muslime" töten würden. Seine islamistische Gruppe werde sich dem entgegenstellen um "ihre Brüder zu schützen". Zudem sollten die im Süden des Landes lebenden Muslime in den Norden zurückkehren.

Christen als "Schlachtvieh"

Unterdessen haben Vertreter der Christen in Nigeria angedroht, sich zur Wehr zu setzen, sollten weitere Anschläge folgen, heißt es in dem Bericht weiter. "In Einzelfälle versuchen christliche Jugendliche sich und ihre Familien zu schützen und nehmen Revanche an Muslimen, die zuvor Familienangehörige von ihnen getötet haben", bestätigt Rode gegenüber pro. "Um dies zu verhindern, bereiten wir die jungen Christen vor Ort darauf vor, wie sie sich nach biblischem Vorbild verhalten sollen." Letztendlich seien Christen in solchen Ländern aber wie 'Schlachtvieh', "denn sie sollen aufgrund ihres Glaubens nicht gegen ihre Feinde mit Waffen vorgehen und sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Deshalb müssen wir ihnen zur Seite stehen."

Den Christen in Nigeria beistehen will auch der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder. Er hatte nach den Anschlägen in Nigeria im "Deutschlandfunk" angekündigt, 2012 selbst in das Land reisen zu wollen, um Informationen aus erster Hand über die Lage der Christen zu bekommen und sich für ihre Sicherheit einzusetzen.

Zwei-Staaten-Lösung?

Rode sieht einen möglichen Lösungsansatz in einer erheblichen "Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Christen". Jedoch sei dies in Scharia-Staaten kaum umsetzbar. "Oder es gibt eine Zwei-Staaten-Lösung nach dem Vorbild des Sudan in Nord- und Süd-Nigeria", schlägt er gegenüber pro vor. "Eine andere 'menschliche' Lösung wird es wohl nicht geben." Ob es gelinge, die Gewalt einzuengen, sei fraglich. Jedoch wachse die Zahl der Christen in Nigeria nach wie vor.

Bereits 2010 gab es bei Angriffen auf Weihnachtsfeiern in dem westafrikanischen Land mehr als 80 Tote. Die christlichen Kirchen in Nigeria sprechen von einer "Kriegserklärung" seitens der "Boko Haram". 150 Millionen Menschen leben in Nigeria. Jeweils mehr als 40 Prozent der Nigerianer sind Christen oder Moslems. (pro/dpa)

VON: ms | 03.01.2012

Quelle: pro-medienmagazin.de

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